Ameret: “Menschengef(l)echte”
(human conflict/community)


With this title we are given a flavour of the artistic approach and attitude of the Berlin-based painter Ameret. Her work is about questions of human existence as a universal fact and one always to be defended and about the subject of being human in the circumstances of a rapidly changing society – with all its potential, conflicts and opportunities. The artist’s work is to be perceived in this context since Ameret’s art deals with the reality of mankind, its present and its future.

One central motif of her work is the shapes of bodies and people, with “cut-outs”, rows, chains and groups of people painted as positive and negative shapes. They act, they demonstrate, they populate the pictures as schematic figures and symbolic sketches. They form networks of people that belong together, dance together like children or form groups that act with solidarity for their interests. In contrast with these are “cannibals” or dark shadow creatures. What is investigated here is the relationship of individuals to the group, the theme of social responsibility and the right of the individual.
Ameret also uses slightly transparent flag fabrics for her spatial arrangements. She has captured the shadows of passers-by on the long vertical cloths and then worked on them in her studio. “Geschenkte Schatten“ (Shadows given away). Hanging in mid-air, these works are “brought to life” by wind or by the eye of the beholder. These works – as a record of real people – investigate the effect of and reactions to these “shots” in each new context of their appearance. Ameret displays these arrangements in gallery and exhibition rooms as well as in open spaces. The “La Foule” arrangement (Körperdetails [Body Details] 2003) was for example exposed to the wind in the old trees of an olive grove, whereas the “Shadows” in the 2003 “Infinite Pool” series were floating in water.

The result of Ameret's work is multifaceted art that constantly surprises you, which operates on the fringes and edges of painting, sculpture and arrangement construction and in so doing investigates new opportunities and potential. Typical of Ameret’s art is a fundamentally positive view of human existence. So a central slogan from Joseph Beuys, “We can’t do it without roses,” applies to her work too.

Peter Funken, Berlin 2005


La Foule

Das Installationsprojekt “La Foule” erweitert Amerets Stelenmalerei im Raum um die Dimension der Zeit. Zeit heißt Bewegung. Das Projekt spielt mit Fahnen, einem Wald von ‚Körper-fahnen‘ in Bewegung.
Dem kollektiven Zusam-menschluß von Menschen-massen unter einem er-drückenden Fahnenmeer setzt Amerets Arbeit die Idee der ‚demokratischen‘ Masse entgegen, und zeigt im Spiel mit der Wahr-nehmung die Ergänzung des Individuums durch die anderen.
Das Pathetische der nationalen Symbole wird humanisiert durch die spielerische Umformung in Fahnen der Kunst. Nicht die Farben einer Nation, sondern die Menschen, die eine Nation bilden, entstehen durch Schich-tung, Aneinanderreihung und Bewegung transparent gemalter Körperformen.
Ein Menschengemenge, in dem der Einzelne nicht untergeht, sondern entsteht....

Dr. E. Haack, Berlin 2003


Gestalten in Berührung oder vom Streicheln mit dem Pinsel
Gedanken zu Arbeiten von Ameret


Eine auffallende Vorliebe für gewagte Farb kombinationen und scharfe Kontraste zeichnet die Malerei von Ameret ebenso aus wie sanft fließende Farbübergänge mit lasierend aufgetragenen Farbschichten. Spannungsvolle Gegensätze zwischen gelbreichem Hellgrün und grellem Pink vor einem vital wirkenden lichtgrau entstehen, die einen vibrierenden, tiefenlosen Raum und silhouettenhafte Körperformen.bilden. Diese Körper zeigen in der Fernsicht klare Abgrenzungen, bei naher Betrachtung fällt jedoch auf, dass ihre Ränder sich oft aus mehreren nebeneinanderstehenden schmalen Farbstreifen zusammensetzen. Ameret arbeitet dabei mit fragmentarischen Positiv-Negativ-Formen aus denen sich immer neue Körper ergeben; ein typisches Merkmal für jenen großen Bereich im Schaffen von Ameret, in dem sie das Thema (erotischer) Beziehungen als malerisches Problem behandelt und das Zusammentreffen zweier oder mehrerer menschlicher Körper in räumlicher Nähe als flächige
Disposition von Farbformen gestaltet. So wird eine umfassende Erfahrung der Ambivalenz zwischenmenschlicher Beziehungen formuliert.
Schon seit den achtziger Jahren arbeitet Ameret auch als Bühnenbildnerin und Performerin in Zusammenarbeit mit Schauspielern und Musikern und entwickelte ‚mobile Bildszenarien' die variabel und frei im Raum installiert werden können. Aus dieser Erfahrung resultiert ihre Vorliebe für extrem schmale Bildformate die modulhaft funktionieren und immer neue 'Raumbilder' ergeben. Das schmale Bildformat entspricht dabei ihrer Lust an Detaildarstellungen und Andeutungen.
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Diese Künstlerin ist weder Moralistin noch Misanthropin, die sich mit kritischer Distanz aus den Händeln des Lebens heraushält, sondern vielmehr eine heitere Beobachterin, die sich mit Leidenschaft und Sympathie den Realitäten des menschlichen Daseins stellt und diese mit zärtlicher Anteilnahme und humorvoller Nachsicht in farbenlustvolle, vielschichtige Kompositionen bringt. Das Werk von Ameret strotzt nur so von prallen Zweideutigkeiten, ihre Bildtitel sind Doppelbödige Wortspiele und manche Bilder konkretisieren sich erst in ihrer Kombination – Hinschauen ‚macht Lust'.

Dr. Brigitte Hammer
Berlin im März 2002